Ein Blick von oben das Kraftwerk Jochenstein im herbstlichen Setting.

Energiespeicher Riedl: zentrales Infrastrukturprojekt der Energietransformation

Der Energiespeicher Riedl ist als europäisches Projekt von gemeinschaftlichem Interesse (Project of Common Interest, PCI) eingestuft und damit ein anerkannter Baustein für eine sichere, nachhaltige und unabhängige Energieversorgung im Herzen Europas. Mit einer täglichen Speicherkapazität von 3,5 Mio. Kilowattstunden und einer Leistung von mehr als 300 Megawatt stellt das Pumpspeicherkraftwerk großtechnische Flexibilitätskapazitäten bereit, die für die Integration von Windkraft und Photovoltaik unverzichtbar sind. Der Energiespeicher Riedl kann täglich überschüssigen Strom im Ausmaß von deutlich über 100.000 durchschnittlichen privaten PV-Anlagen speichern und bei Bedarf in Minutenschnelle wieder bereitstellen. Seine Kapazität reicht aus, um den Tagesbedarf von rund 350.000 Haushalten mit Strom zu decken.

Das Projekt Energiespeicher Riedl

Der Energiespeicher Riedl, ist ein hochflexibles Pumpspeicherkraftwerk mit einer Leistung von 300 MW. Der Wirkungsgrad der langfristig erprobten Technologie liegt bei rund 80 Prozent. Bei einem Stromüberangebot aus Windkraft und Photovoltaik wird mittels dieser Strom Wasser aus dem Stauraum des Donaukraftwerks Jochenstein in ein rund 330 Meter höher gelegenes Oberbecken gepumpt und dort zwischengespeichert. Bei hoher Nachfrage oder bei Engpässen im Netz wird in Sekundenschnelle Wasser aus dem Speicherbecken zu den unterirdischen Turbinen geleitet, die über Generatoren wiederum elektrische Energie erzeugen.

Das Wasser für den Energiespeicher Riedl wird der Donau aus dem Stauraum Jochenstein entnommen als auch zurückgegeben. Die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich liegt hier in der Flussmitte. Die beiden Stauräume Jochenstein und Aschach werden als Unterbecken genutzt.

Ein neuer 24 Hektar großer Speichersee mit einem nutzbaren Fassungsvermögen von rund vier Millionen Kubikmeter Wasser wird als Oberbecken verwendet. Von diesem führt ein unterirdischer sicherer Stollen zu einer ebenfalls unterirdischen Kraftstation beim Kraftwerk Jochenstein. Dort befinden sich die beiden hochflexiblen Maschinensätze mit je 150 MW Leistung. Die dort erzeugte elektrische Energie wird in die bestehende Schaltanlage des Donaukraftwerkes Jochenstein eingespeist. Die ökologisch hochwertigen Donauleiten werden durch das Projekt nicht berührt, da sich die Bauwerke tief im Berg darunter befinden.

Projektträger: Donaukraftwerk Jochenstein AG

Träger des Projekts Energiespeicher Riedl ist die Donaukraftwerk Jochenstein AG (DKJ) – ein Unternehmen von VERBUND.

Basierend auf dem Regierungsabkommen von 1952 zwischen Österreich und Deutschland, wurde die Donaukraftwerk Jochenstein AG für den Bau und Betrieb des Kraftwerks gegründet. Zweck des Abkommens ist die gemeinsame Nutzung der Wasserkraft der Donau zwischen Passau und Jochenstein/Engelhartszell.

Geeigneter Standort

Als Erweiterung des bestehenden Donaukraftwerks Jochenstein trifft der neue Energiespeicher nicht nur auf ideale topografische Voraussetzungen, sondern auch auf eine bereits vorhandene Infrastruktur. Dazu gehören die bestehende Freiluftschaltanlage und Netzanbindung, aber auch das hochqualifizierte und betriebserfahrene Personal. Das schafft ein ressourcenschonendes und effizientes Miteinander.

Das Bild zeigt einen Flugaufnahme vom Kraft Jochenstein bei Sonnenschein.

Ziele und Nutzen des Energiespeicher Riedl

Der Energiespeicher Riedl dient der Integration von erneuerbaren Energien ins Stromnetz und liefert damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Ungenutzte Erzeugungspotenziale werden durch die Speicherung von Erzeugungsüberschüssen aus erneuerbaren Energien nutzbar und ergänzen optimal eine CO2-neutrale Stromerzeugung. Dazu kommen eine günstige geographische Lage und eine hohe Flexibilität durch die Zusammenarbeit zwischen den Strommärkten Deutschland und Österreich. Der Energiespeicher Riedl leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Für die Überbrückung sogenannter Dunkelflauten werden wichtige Reservekapazitäten bereitgestellt. So können mit einer Speicherbefüllung 50.000 Haushalte eine Woche lang mit CO2-neutralem Strom versorgt werden.

Außerdem erbringt der Energiespeicher Riedl wichtige Systemdienstleistungen im Stromnetz, die bisher von fossilen Kraftwerken geleistet wurden. Mit steigenden Anteilen an erneuerbaren Energien sind diese von zunehmender Bedeutung für die Netzstabilität. Dazu kann der Energiespeicher Riedl bei einem Netzausfall ein wichtiger Baustein zum Wiederaufbau des Stromnetzes darstellen (Schwarzstartfähigkeit). Ein solch breites Aufgabenspektrum decken nur Pumpspeicher mit hoher Effizienz und Wirtschaftlichkeit ab, die mittels erprobter Technologien operieren.

Der Standort des Energiespeicher Riedl wurde sorgfältig ausgewählt. Die natürliche Geländemulde zwischen den Untergriesbacher Ortsteilen Gottsdorf und Riedl, die derzeit großteils intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, eignet sich ideal für den Bau des benötigten Speichersees. Das Oberbecken kann sich harmonisch in die Geländemulde einfügen. Sowohl der Triebwasserstollen Richtung Tal als auch das Ein- und Auslaufbauwerk werden unterirdisch errichtet. Das Maschinenhaus mit den Turbinen, Pumpen und Generatoren wird in Form eines ebenfalls weitgehend unterirdischen Schachtkraftwerks auf dem Gelände des Donaukraftwerks situiert.

Der Energiespeicher Riedl stärkt nicht nur die Versorgungssicherheit und die Energiewende, sondern bringt auch spürbare wirtschaftliche Impulse für die Region. Ein erheblicher Teil der Investition bleibt vor Ort – durch Aufträge an Unternehmen, zusätzliche Beschäftigung, Nächtigungen und spätere Betriebsarbeitsplätze.

  • über 500 Mio. Euro Investition

  • mehr als 30 % Wertschöpfung in der Region

  • rd. 3.500 Arbeitsplatzjahre als zusätzlicher Beschäftigungseffekt in der Bauphase

  • bis zu 400 Beschäftigte auf der Baustelle

  • rd. 50.000 Nächtigungen pro Jahr durch das Baustellenpersonal, davon rund 25.000 in Privatbetrieben

  • qualifizierte Dauerarbeitsplätze im Betrieb

  • wiederkehrende Aufträge für regionale Wirtschaft für Instandhaltungsmaßnahmen

  • dauerhafte Wertschöpfung durch Gemeindesteuer

Der Energiespeicher Riedl kann als Erweiterung des bestehenden Donaukraftwerks Jochenstein auf eine vorhandene Infrastruktur zurückgreifen. Ein wichtiger Aspekt ist, dass für den Stromtransport die bestehende 220 kV-Hochspannungsleitung verwendet werden kann. Bestehende Straßen und die Möglichkeit des Materialtransports per Schiff gewährleisten, dass der Bau und Betrieb des Energiespeichers so verträglich wie möglich erfolgt. Hochqualifiziertes und betriebserfahrenes Personal, Büros und Werkstätten stehen dem Energiespeicher Riedl zur Verfügung.

Das Bündel an ökologischen Maßnahmen, das die Auswirkungen auf die Umwelt vermeidet bzw. ausgleicht und dem Erhalt der biologischen Vielfalt dienen soll, wird sich darüber hinaus auch positiv auf den regionalen Tourismus auswirken. Mit den gewässerökologischen Maßnahmen an der Donau, der Fischwanderhilfe und weiteren Maßnahmen an Land, werden hochwertige und abwechslungsreiche Lebensräume für Flora und Fauna geschaffen. Landschaftliche Strukturen der Kulturlandschaft werden aufgewertet. Der neue Speichersee mit Aussichtspunkt und die neue architektonisch gestaltete und touristisch nutzbare Kraftstation am Talboden, können zusammen mit weiteren Gestaltungsmaßnahmen die Anziehungskraft der Region stärken. Rund um das Oberbecken wird außerdem ein neues Naherholungsgebiet mit Grünflächen und Wegen entstehen.

Daten zum Energiespeicher Riedl

Standort Kraftstation

Gemeinde Untergriesbach/Ortsteil Jochenstein

Standort Speichersee

Gemeinde Untergriesbach/Ortsteil Gottsdorf

Mittlerer Donauabfluss

1.420 m³/s

Volumen Speichersee

4,2 Mio. m³

Wasserfläche Oberbecken

24 ha

Mittlere Fallhöhe

331,5 m

Durchfluss Turbinenbetrieb

108 m³/s

Durchfluss Pumpbetrieb

85 m³/s

Maschinenleistung

2 x 150 Megawatt

Investitionsvolumen

rd. 500 Mio. Euro 

 

Schutz von Natur und Umwelt

Geplant und realisiert wird das Projekt unter größtmöglicher Schonung der Umwelt sowie nach dem Stand der Technik. Moderne Bauweisen und umfangreiche ökologische Maßnahmen helfen dabei, sensible Lebensräume zu bewahren. Zu diesen ökologischen Maßnahmen, die gemeinsam mit den zuständigen Umwelt- und Naturschutzbehörden festgelegt wurden, zählen zum Beispiel die Errichtung von Biotopen und die Umsetzung von Schutzmaßnahmen.

Stärkung der Gewässerökologie

Auch gewässerökologischen Maßnahmen sind in den Donaustauräumen Jochenstein und Aschach geplant. Das Maßnahmen-Bündel hat zum Ziel, Lebensräume für Flora und Fauna zu verbessern beziehungsweise zu schaffen und gewährleistet so die Stärkung der Fischbestände.

Um die Donau in diesem Bereich für Fische und andere Wasserorganismen wieder durchgängig zu machen, soll am Donaukraftwerk Jochenstein eine neue Fischwanderhilfe errichtet werden. Diese bietet zusätzlichen Lebensraum und dient Fischen insbesondere als Laich- und Jungfischhabitat.

Der Schrätzer ist ein sogenannter Grundfisch und damit hauptsächlich am Flussgrund anzutreffen.

Die Verfahren

Das Projekt wurde in einem 15-jährigen Verfahren auf Herz und Nieren geprüft. Am 16. September 2025 wurde der Planfeststellungsbeschluss für den Energiespeicher Riedl von Ministerpräsident Markus Söder an die Antragstellerin „Donaukraftwerk Jochenstein AG“ übergeben.

Das Raumordnungsverfahren wurde bereits 2011 positiv abgeschlossen. Die Regierung von Niederbayern hat die Raumverträglichkeit der Planung und der Maßnahmen unter Beteiligung der Öffentlichkeit bestätigt. Das Ergebnis wird in der sogenannten landesplanerischen Beurteilung dargestellt.

Am 16. September 2025 wurde der Planfeststellungsbeschluss für den Energiespeicher Riedl und die Organismenwanderhilfe von Ministerpräsident Markus Söder an die Antragstellerin „Donaukraftwerk Jochenstein AG“ übergeben. 

Dem Bescheid ging ein langjähriges Genehmigungsverfahren voran: 

  • 2010-2011: Abwicklung Raumordnungsverfahren
  • 2012: Einreichung Planfeststellungsverfahren
  • 2016: Erste öffentliche Auslegung
  • 2022: Zweite öffentliche Auslegung
  • 2023: Erörterungstermin  
Ein Blick auf das Wasserkraftwerk Jochenstein an der Donau.

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